Eine Initiative von:

Multiresistente Keime aus dem Schweinestall?

Ein klares Jein.
Aufgrund der unterschiedlichen Stämme lässt sich die Herkunft des MRSA relativ sicher nachweisen. Erstaunlicherweise sind die MRSA, die im Krankenhaus gefunden werden, nur zu 0,8-5% (je nach Untersuchung) tierassoziiert, der übrige Großteil stammt aus Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Die MRSA-Stämme aus der Tierhaltung sind zudem nicht für die schweren Krankheitsverläufe verantwortlich. Auch weisen die Tier-MRSA nur selten Antibiotikaresistenzen für Medikamente auf, die auch in der Humanmedizin eingesetzt werden.
Noch wichtiger: Eine Besiedelung ist nicht gleichbedeutend mit dem Ausbruch einer Krankheit.

Dazu ein kleiner Ausflug zu unseren Nachbarn, die Niederlande. Dort ist zwar die Schweinedichte und auch der Antibiotikaverbrauch pro Tier höher als in Deutschland, doch dort gibt es kaum Probleme mit MRSA in Krankenhäusern.
Woran liegt das? In den niederländischen Krankenhäusern wird ein strenges Hygienemanagement auch konsequent eingehalten. Schon in den 80er-Jahren erkannten die Niederländer das Problem der multiresistenten Keime und wurden aktiv. Somit haben die Niederländer das Problem bereits im Keim erstickt.


Gut zu wissen:  2004 wurden außerdem laut AOK-Studie rund 1400 t Antibiotika in der Humanmedizin Im Vergleich dazu waren es in der Nutztiermedizin 2013 ca. 1444 t. Da Antibiotika in Abhängigkeit der Körpermasse verschrieben werden ergibt eine Annäherung der beiden Daten, dass in der Humanmedizin bis zu 2,5 x mehr Antibiotika eingesetzt werden als in der Tiermedizin. Auch ist laut WidO so gut wie jedes zweite Antibiotikum, welches in der Humanmedizin verschrieben wird, ein Reserveantibiotikum.
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Allgemeinbevölkerung mit dem MRSA-Stamm aus der Tierhaltung befallen wird, ist gering. Zur Risikogruppe von la-MRSA (Tier-MRSA) befallen zu werden zählen Landwirte und Veterinärmediziner. MRSA, genau wie ESBL, traten zuerst in der Humanmedizin, dann bei Heimtieren und danach erst bei Schweinen, Geflügel und Rindern auf. Im Gegensatz zur Humanmedizin findet in der Tierhaltung nur eine sehr geringe Anwendung von Reserveantibiotika statt.

Die Hauptursache der MRSA-Problematik in der Tierhaltung zu suchen entzieht sich jeder Fachlichkeit. Menschen, die über MRSA diskutieren und sich gleichzeitig von ihrem frisch mit Antibiotika behandelten Hunden durch das Gesicht lecken lassen sollten sich der Tragweite der Thematik MRSA bewusst werden.

Quellen

Für das Soja im Futter wird doch Regenwald abgeholzt, oder?

Ein gern verwendetes Vorurteil von Tierhaltungsgegnern mit dem wir aufräumen möchten.
Die massive Förderung der Bioenergie bzw. Biosprits folgte eine extreme Ausweitung der Produktion in Südamerika. Biosprit wird unter anderem aus Zuckerrohr und Soja gewonnen. Folglich stieg die Anbaufläche dieser Pflanzen enorm und die ansässigen Rinderhalter und Siedler wurden und werden verdrängt. Um ihre Existenz zu sichern, müssen die Landwirte sich neue Bewirtschaftungsflächen erschließen und roden deswegen den Regenwald. Die Tierhaltung in Europa kann also nicht als Grundursache für das Problem der Regenwaldrodung in Südamerika verantwortlich gemacht werden. Die Tiere fressen übrigens Sojaextraktionsschrot, welches nach dem Auspressen des Öls für die Nahrungsmittel- und Biospritproduktion übrig bleibt. Die Verfütterung ist somit eine gute Verwertung für die Reststoffe aus der Ölproduktion.


Gut zu wissen: Seit einigen Jahren ist es Tierhaltern verboten Tiermehl als wertvollen Eiweißträger einzusetzen. Daraufhin stieg der Einsatz von Soja, damit die Schweine genügend Eiweiß aufnehmen können. Die normalerweise allesfressenden Schweine wurden „zwangs-vegetarisiert“, haben also jeden Tag Veggieday. Ist das artgerecht?
Nur ca. 8% der Futtermittel stammen nicht aus Deutschland, sondern aus anderen EU-Staaten und Drittländern.

Quellen

In der Tierhaltung werden doch massiv Hormone eingesetzt, oder?

Nein, die Verfütterung bzw. die Gabe von Hormonen zur Leistungssteigerung ist seit Jahrzehnten in der EU verboten. In der Schweinemast werden keine Hormone eingesetzt.
In der Sauenhaltung, also da wo die Ferkel geboren werden, können Hormone bei Einzeltieren eingesetzt werden.
Ziel der Ferkelerzeuger ist es, dass die Sauen in Gruppen innerhalb weniger Tage gemeinsam Ferkel gebären. Durch das gleichzeitige Abferkeln ist eine bessere Geburtsüberwachung/-hilfe möglich und Geburtskomplikationen werden besser erkannt und können verhindert werden.
Manchmal passiert es das Sauen z.B. aus dem Rhythmus kommen und nicht mehr in ihre ursprüngliche Sauengruppe passen. Damit die Sau in die nächste Gruppe hinein passt, kann hier mit einer gezielten Hormongabe gearbeitet werden. Auch Jungsauen, die das erste Mal Ferkel bekommen sollen, werden so in bestehende Sauengruppen eingegliedert.
Zusätzlich können Hormonpräparate auch bei komplizierten Geburten zur kontrollierten Geburtseinleitung angewendet werden.


Gut zu wissen: Die meisten Präparate werden in weniger als einem Tag im Körper der Tiere abgebaut oder ausgeschieden. Die Einhaltung der Wartezeit verhindert mögliche Rückstände im Fleisch.
In gewissem Maße hat der Einsatz von Hormonen beim Menschen die gleichen Ziele wie die Verwendung in der Sauenhaltung. So können auch beim Menschen rund um den Geburtsvorgang Hormonpräparate eingesetzt werden.
In einem Punkt unterscheidet sich der Einsatz aber enorm. In der Sauenhaltung werden keine Hormone eingesetzt, die eine Schwangerschaft verhindern. In der Humanmedizin werden dazu Hormonpräparate wie die Anti-Babypille von Millionen von Frauen täglich eingenommen.

Quellen

Verschwendet das Futter für eure Tiere nicht Ressourcen?

Nein, tut es nicht.
Fressen wie ein Schwein - Längst überholt. Das Schwein verwertet sein Futter optimal und der Schweinehalter unterstützt es dabei. Die Futterration wird im Laufe eines Schweinelebens an die Bedürfnisse von Sau, Ferkel und Mastschwein angepasst. Eine Zahl, die von einigen Organisationen gebetsmühlenartig immer wieder vorgebracht wird: 16 kg Getreide braucht es um ein Kilogramm Fleisch zu produzieren. Ein gutes Mastschwein bringt es mittlerweile zu einer Futterverwertung von 1 zu 2,6. Das heißt, für ein Kilogramm Zuwachs werden 2,6 kg Futter benötigt. Oder anders gerechnet: Für ein Kilogramm Schweinefleisch werden ca. 4,3 kg Futter benötigt. Denn ca. 60% vom Schwein sind essbar. Die restlichen 40% sind u.a. Haut, Knochen, Innereien, Fett, Blut. Auch sie werden weiter verarbeitet.

Vollständige Verwertung des Schweins
Ein weiterer positiver Nebeneffekt der heutigen Fütterung: Durch die optimale Versorgung bleiben die Nährstoffausscheidungen gering.

Woraus besteht das Futter jetzt eigentlich genau?
Die Schweine bekommen eine Mischung aus Getreide, Mais, Sojaextraktionsschrot, Mineralstoffen und Pflanzenölen zu fressen. Entgegen der weitläufigen Meinung werden hier jedoch zum Großteil keine Produkte, die der menschlichen Ernährung dienen könnten, verwendet.
Auf vielen Ackerflächen wächst nur Getreide mit minderer Backqualität. Aus diesem Getreide können Mühlen kein Mehl oder Grieß herstellen. Um die Flächen trotzdem sinnvoll nutzen zu können, werden dort Sorten angebaut, die besonders als Futter geeignet sind und zudem höhere Erträge als Brotgetreide haben.

Entspricht das angebaute Getreide den Qualitätsanforderungen für Brotgetreide wird der Landwirt es auch als solches vermarkten. Für Brotgetreide erlöst ein Landwirt mehr Geld als für Futtergetreide.
Gut zu wissen: In einigen Regionen Europas wird der Anbau von Soja versucht. Doch Soja braucht besondere klimatische Bedingungen, um beste Erträge zu erzielen. In Amerika gibt es diese Bedingungen. Um eine Tonne Sojabohnen zu ernten, brauchen die Brasilianer z.B. 0,35 ha, in Deutschland bräuchte man für die gleiche Menge 0,6 ha.

Quellen

Stinkende Schweineställe! Nehmen die Landwirte keine Rücksicht?

Nein, die Landwirte nehmen Rücksicht.
Damit es den Landbewohnern nicht zu sehr „stinkt“, haben Forscher zahlreiche Erhebungen und genaueste Berechnungen für eine Minimierung der Geruchsbelastung im Stallumkreis erstellt. Es gibt Richtlinien und Gesetze die Grenzwerte für die Gerüche aus Ställen festlegen. Auf dem Land ist eine gewisse Geruchsbelastung zuzumuten. Die Grenzwerte für Siedlungsgebiete hingegen sind strenger.
Über verschiedene Maßnahmen lässt sich der Schweineduft minimieren. Beispielsweise durch Schornsteine, die aus den Schweineställen ragen. Aus ihnen wird die Abluft mit hoher Geschwindigkeit herausgepustet, so dass sie hoch aufsteigt und sich quasi „verdünnisiert“. Viele neue Schweineställe, werden mittlerweile mit Abluftreinigungsanlagen gebaut. Über diese Anlagen kann u.a. Staub, Ammoniak und Geruch gefiltert werden. Noch ist die Abluftreinigung ein sehr teures Verfahren, mit hohen Investitions- und laufenden Kosten. Etwa 5€ kostet ein Schwein aus einem Stall mit einer Abluftreinigung mehr und drückt so auf die Wirtschaftlichkeit der Schweinehaltung.
Es wird daher stetig daran geforscht diese Techniken zu verbessern und außerdem kostengünstiger zu gestalten.
Die gute Landluft - hierunter kann man frisch gemähtes Gras, ein duftendes Rapsfeld oder aber die Tierhaltung und die dazugehörigen Gerüche zählen. Es gehört in gewissem Maße auch dazu.