Eine Initiative von:

Kalb

Kurz nach der Geburt werden die Kälber von der Mutter getrennt und kommen in saubere, mit frischem Stroh eingestreute Kälberboxen bzw. in sogenannte Kälberiglus. Hier haben die Tiere sozialen Kontakt zu anderen Kälbern. In den Boxen bekommen die Kälber so schnell wie möglich ihre erste Mahlzeit. Diese besteht aus dem sogenannten Kolostrum (Erstmilch), bei Kühen auch als Biestmilch bezeichnet. Es ist die erste Milch, die von der Milchdrüse der Kuh nach der Geburt produziert wird und besonders reich an Proteinen, Vitaminen und Antikörpern ist. Sie ist extrem wichtig, da das Kalb erst mit etwa einer Woche anfängt eine Abwehr vor Infektionen aufzubauen und die Biestmilch somit der stallspezifische Impfstoff für das Kalb ist. Je mehr das neugeborene Kalb aufnimmt, desto besser. Nach der Biestmilchperiode, die ca. 3 Tage dauert, kommt das Kalb in die Haupttränkeperiode. Hier wird es mehrmals täglich mit Vollmilch oder einem Milchaustauscher gefüttert. Bei Milchaustauscher handelt es sich um speziell auf die Bedürfnisse des Kalbes zusammengesetztes Milchpulver, welches in heißem Wasser aufgelöst wird.

Die Tränkemenge wird zunächst kontinuierlich gesteigert, sodass die Tiere in der 4. bis 5. Lebenswoche ca. 6-8 Liter Milch täglich aufnehmen. Etwa ab der 8. Woche wird die Tränkemenge wieder heruntergefahren, um die Tiere mehr und mehr an das sogenannte Raufutter zu gewöhnen. Als Futter kann bereits ab dem zweiten Tag gehäckseltes Stroh und beispielsweise ein Kälbermüsli angeboten werden. Bei hoher Aufnahme wird dann begonnen, Futtermittel wie Gras-und Maissilage vorzulegen. Durch die frühe Beifütterung mit festen Futtermitteln wird die Pansenmotorik gefördert und somit der Grundstein für die Gewöhnung an die spätere Fütterung gelegt. Das Ziel ist es, die Tiere frühzeitig an feste Futtermittel zu gewöhnen, sodass sie am Ende der Tränkeperiode (10. bis 12. Woche) genug Energie aus dem Raufutter aufnehmen und von der Milch abgesetzt werden können. Natürlich wird während der gesamten Aufzuchtphase neben Milch und Futter auf frisches Wasser angeboten.

Die Kälber werden den Müttern direkt nach der Geburt entrissen! Muss das sein?

Ja, das muss sein.

Unsere Kühe geben viel mehr Milch, als ein kleines Kalb saufen kann. Wäre dies nicht so, würde für uns Verbraucher auch keine Milch mehr über bleiben. Wird aus einem vollen Euter immer nur ein kleines bisschen Milch rausgesaugt, entzündet sich das Euter und es entstehen für das Tier große Schmerzen. Das „gemischte Melken“- mal saugt das Kalb, mal die Melkmaschine- ist aus hygienischen Gründen nicht vertretbar. Zudem führt es dazu, dass die Kuh „blind“ gemolken wird (wenn z.B. ein Euterviertel schon leer ist, dass andere nicht), was wiederum zu Entzündungen führen kann.

Die Kälber werden einige Stunden nach der Geburt von ihrer Mutter getrennt. Würde das Kalb zunächst einige Tage bei der Mutter verbringen, wäre der Trennungsschmerz um einiges höher. Untersuchungen des Institutes für Ökologischen Landbau sowie der Humboldt-Universität in Berlin zeigen, dass es keine Unterschiede zwischen muttergebundenen und mutterlosen aufgezogenen Rindern hinsichtlich des Sozialverhaltens gibt. Durch die Aufzucht in altersstrukturierten Gruppen würden wichtige kalb- und kuhseitige Sozialbedürfnisse erfüllt. Zudem ermögliche es Jungtieren Lernprozesse, die von langfristiger Bedeutung sind.

Quellen

Müssen den Kälbern die Hörner entfernt werden? Warum lässt man die Hörner nicht einfach dran?

Ein klares Ja.

Rinder sind durchaus Angriffslustig, sowohl untereinander als auch gegenüber uns Menschen. Zum Schutz von Mensch und Tier sollten die in Laufställen gehaltenen Rinder hornlos sein. Die Hörner sind bei unseren Rindern genetisch veranlagt, sodass die Entfernung der Hornanlagen im frühen Kälberalter, bislang unabdingbar ist. Den Landwirten sind gesetzliche Rahmenbedingungen vorgeschrieben, um den Eingriff schonend und für das Tier stressfrei auszuführen.
Eine mögliche Lösung bietet die Zucht genetisch hornloser Bullen. Dieser züchterische Prozess wird jedoch Zeit in Anspruch nehmen, bevor eine genetisch bedingte Hornlosigkeit flächendeckend realisiert werden kann.

Quellen

Kälbermast

Die Kälber in der Kälbermast, auch Weißfleischmast genannt, kommen im Alter von ca. 2 bis 4 Wochen auf die Mastbetriebe. Es handelt sich bei den Kälbern fast ausschließlich um männliche Tiere der Rasse Holstein-Friesian. Dies liegt daran, dass sehr viele Milchviehbetriebe nicht den Platz, das Futter bzw. die Arbeitskraft haben um auch die männliche Nachzucht aufzuziehen. Daher vermarkten diese Betriebe ihre Kälber häufig im Alter von zwei Wochen an Händler, die diese Kälber dann an die Mäster weiter vermarkten.

Auf den Mastbetrieben kommen zumeist eine große Anzahl an Kälbern an, da sehr häufig im Rein-Raus-Verfahren gearbeitet wird. Das bedeutet, dass alle Kälber eines Stalles (meist mehrere 100 Kälber) gleichzeitig eingestallt und ca. sieben Monate später auch gleichzeitig aus diesem Stall ausgestallt werden. Da, wie oben beschrieben, die Kälber von Händlern von verschiedensten Milchviehbetrieben eingesammelt werden ist es keine Seltenheit, dass zum Beispiel 100 Kälber von 97 Betrieben kommen. Dies bedeutet einen großen Infektionsdruck, da jedes Kalb betriebseigene Keime mitbringt. Daher bekommen die Tiere nach dem Einstallen eine Grippeimpfung, ähnlich wie bei Kleinkindern. Des Weiteren wird an den ersten Tagen Eisen und Vitamine in Pulverform in die Milch eingerührt, um das Immunsystem der Tiere nach dem Transport und der Gewöhnung an den neue Stall zu stabilisieren.

Stehen die Kälber nicht alle in Einzelboxen, damit sie sich weniger bewegen und schneller an Gewicht zunehmen?

Nein, das stimmt natürlich nicht.

Die Zeit, in der Kälber bis zum Ende der Mast in Einzelboxen standen, ist lange vorbei. Häufig werden die Tiere für die ersten vier bis fünf Wochen in Einzelboxen gehalten. Diese müssen bereits 1*1,6 Meter sein (Kälberhaltungsverordnung). Die Einzelhaltung zu Anfang ermöglicht dem Landwirten eine deutlich bessere Kontrolle der Tiere. Durch die Zuordnung des Kotes zu jedem einzelnen Kalb, ist es  möglich, eventuelle Durchfallerkrankungen schnell zu erkennen. Außerdem ist eine mögliche verringerte Milch- und Futteraufnahme leichter zu beobachten.

Nach ca. vier bis fünf Wochen befinden sich  die Tiere dann in Gruppenhaltung (meist 4 bis 6 Kälber je Gruppe). Hier stehen jedem Kalb mindestens 1,8 m² zur Verfügung. Gefüttert werden die Tiere an einem Futtertrog.