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Die biologischen Leistungen der Mastschweine und Sauen sind sehr hoch. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie die hohe Zahl an Ferkeln pro Sau aufgezogen werden können. Aber wie sieht es dabei mit der individuellen Tierkontrolle aus, wie kann es zu Ferkelverlusten kommen? Die Antworten auf diese Fragen finden Sie hier.

Was passiert mit den überzähligen Ferkeln, die die Sau nicht versorgen kann? Müssen die sterben?

Nein, es gibt keine überzähligen Ferkeln.
Es ist das ureigenste Bestreben aller Ferkelerzeuger, möglichst viele der Ferkel aufzuziehen – aus Tierschutz- und auch aus ökonomischen Gründen.
Die Entwicklungen in der Zucht machen es möglich, dass eine Sau mittlerweile bis zu 22 Ferkel pro Wurf lebend gebären kann. Das freut die Sauenhalter auf der einen Seite und stellt sie vor die Herausforderung, möglichst alle Ferkel aufzuziehen. Um das zu schaffen, gibt es viele Möglichkeiten:
Wurfausgleich
Hat eine Sau mehr Ferkel geboren als sie aufziehen kann, werden einige der Ferkel zu einer anderen Sau gesetzt, die weniger Ferkel geboren hat. Das ist möglich, weil die Sauen in Gruppen in einem gleichen Zeitraum von wenigen Tagen gemeinsam abferkeln.
Ammensauen
Ammensauen sind Sauen aus der vorhergehenden Abferkelgruppe, deren Ferkel bereits abgesetzt wurden. Diese Sauen geben weiterhin Milch. Die stärksten neu geborenen Ferkel von einer Sau, die viele Ferkel geboren hat, können an eine Ammensau gesetzt werden.
Technische Ammen
Neben dem Einsatz von Ammensauen gibt es die Möglichkeit künstliche Ferkelammen einzusetzen. Diese technischen Geräte versorgen die Ferkel mit Milchaustauscher bzw. Breifutter.


Gut zu wissen: Viele Betriebsleiter schaffen es, den Anteil an Ferkelverlusten konstant halten, obwohl mehr Ferkel geboren und abgesetzt werden. Dies hängt zum großen Teil von den Managementfähigkeiten des Tierhalters ab.

Quellen

Hat man als Landwirt eigentlich Zeit sich um jedes Tier zu kümmern?

Das Management entscheidet über das Tierwohl.
Durch die Modernisierung und Automatisierung in der Tierhaltung ist es dem Landwirt möglich geworden, immer weniger Zeit für aufwendige Handarbeiten, wie zum Beispiel das Ausmisten oder die Fütterung per Hand aufzuwenden. Die eingesparte Zeit nutzt er zum großen Teil für eine intensivere Tierkontrolle. Das kommt den Tieren spürbar zu Gute, so sind die Verluste in der Schweinehaltung stark gesunken.
Weil die Tiere früher in kleineren Ställen gehalten wurden, heißt das nicht, dass es ihnen auch besser ging. Oft waren es kleinere Ställe, die nicht dem aktuellen Stand der Technik entsprachen und somit eine höhere Belastung der Tiere darstellten. Keine Fenster, keine automatische Fütterung.  Nach und nach reduzierte sich die Anzahl dieser Betriebe. Landwirte investierten in hellere und modernere neue Ställe, in denen Schweine in größeren Einheiten gehalten werden. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Schweinehalter stieg dadurch enorm.
Gerade durch diese größeren Strukturen lassen sich Maßnahmen zur tiergerechteren Gestaltung der Haltung  und zur besseren Tierkontrolle erst umsetzen.
Insgesamt lässt sich keine Verschlechterung der Tiergesundheit im Vergleich zu kleinen Betrieben feststellen. Die Haltung unterscheidet sich schließlich in keinster Weise.
Unabhängige Studien belege zudem, dass eine Leistungssteigerung der Tiere nicht zwangsweise zu eine Verschlechterung der Tiergesundheit führen muss. Die Entwicklung in der Mastschweinehaltung zeigt beispielsweise einen stetigen Rückgang der Verluste aber gleichzeitig einen deutlichen Anstieg der Tageszunahmen.

Quellen

Wieso müssen einige Ferkel notgetötet werden?

Nach § 1 Satz 2 des Tierschutzgesetzes ist es die Aufgabe der Tierhalter, Schmerzen, Leiden und Schäden an den Tieren zu vermeiden. Grundsätzlich gilt, dass Tiere nur getötet werden dürfen, wenn ein vernünftiger Grund vorliegt. Ein vernünftiger Grund ist z.B. wenn eine unheilbare Krankheit (bei Ferkeln zählen hierzu: "starke Abmagerung trotz intensiver Betreuung, bei Neugeborenen auch Untertemperatur, Festliegen, Kreislaufversagen und fehlender Saugreflex") oder wenn eine lebensbedrohliche Anomalie sowie ein erfolglos behandeltes Spreizen der Hinterbeine vorliegt.
Wirtschaftliche Aspekte wären kein vernünftiger Grund und auch ist die Nottötung immer eine Einzelfallentscheidung, die der Tierhalter zu treffen hat

Was passiert, wenn die Sau nicht alle Ferkel versorgen kann?

 

Gut zu wissen: Das Thema "Tötung überzählige Ferkel" kam in den letzten Wochen des Öfteren zur Sprache. Für Landwirte ist dies jedoch in keinster Weise nachvollziehbar, weil der Sauenhalter schließlich an den Ferkeln sein Geld verdient und versucht jedes Ferkel groß zu bekommen.

Quellen