Eine Initiative von:

Stellungnahme zum Stern TV-Bericht

Gestern Abend zeigte Stern TV einen Beitrag zur Schweinehaltung. Im Beitrag sind Tierschutzverstöße zu sehen, aber auch falsche Aussagen sind enthalten. Daher haben wir eine Stellungnahme verfasst.

  1. Verstöße gegen geltende Gesetze sind nicht hinnehmbar. Dazu zählt u.a. die hier gezeigte Form der Nottötung von Saugferkeln. Nottötungen sind jedoch manchmal erforderlich, z.B. wenn Tiere verletzt oder schwer erkrankt sind. Diese müssen dann aber tierschutzgerecht mit Betäubung erfolgen. Genauso ist aber auch der Hausfriedensbruch der selbsternannten Tierschützer eine Straftat und muss geahndet werden.
  2. Die Behauptung, dass Sauen 44 % ihres Lebens in Kastenständen oder Ferkelschutzkörben eingesperrt werden ist falsch. Pro Zyklus sind es zwar etwa 40 % (etwa 4 Wochen in der Abferkelbucht und etwa 4,5 Wochen im Deckstall). Die restliche Zeit können sich die Sauen frei bewegen. Das Jahr vor der ersten Abferkelung verbringen die Sauen ohne Fixierung. Daher ist die obige Aussage falsch. Die Einzelhaltung wird betrieben, um das Verletzungsrisiko der Sauen zu reduzieren, eine erfolgreiche Einnistung der Embryonen zu gewährleisten und damit die Sauen die eigenen Ferkel nicht erdrücken. Die kurzzeitige Fixierung der Sau dient den Ferkeln zum Schutz. (Nähere Infos zur Einzelhaltung finden sie hier: https://www.massentierhaltung-aufgedeckt.de/index.php/aktuelles/142-kastenstand-urteil, https://www.massentierhaltung-aufgedeckt.de/index.php/tierhaltung/schweinehaltung). Leider wurden die Vorteile der kurzfristigen Fixierung im Beitrag nicht erwähnt.
  3. Die vermeintlich zu engen Kastenstände sind nach aktuellem Recht zulässig. Das Urteil ist vor etwa einem halben Jahr gefällt worden und bezieht sich zunächst nur auf einen Betrieb. Eine bundesweite Umsetzung gibt es bisher noch nicht, hätte aber gewaltige strukturelle Brüche zur Folge, sodass kleine Betriebe vermutlich ausscheiden würden. Nähere Infos dazu finden Sie hier: https://www.massentierhaltung-aufgedeckt.de/index.php/aktuelles/142-kastenstand-urteil.
  4. Es ist wie beim Menschen auch beim Schwein möglich, Geburten einzuleiten. Nur weil ein Präparat im Stall vorhanden ist, heißt das nicht, dass alle Geburten vom Menschen eingeleitet werden. Vor allem ist der Vorwurf kurios, wenn die Aufnahmen in der Nacht entstanden sind und es angeblich keine Geburtsüberwachung gab. Wenn man Geburten einleitet, dann ja wohl so, dass die Abferkelung tagsüber stattfindet, denn jeder Landwirt ist an gesunden und vitalen Ferkeln interessiert.
  5. Bei der Betriebsgröße von 2400 Sauen ist es jedoch eher üblich, dass auch nachts eine Geburtsüberwachung stattfindet. Trotzdem ist es utopisch, dass man jede Geburt überwachen kann, auch wenn man als Betrieb alles dafür tut.
  6. Der Verbraucher will kleine Betriebe, eine effektive 24 Stunden Geburtsüberwachung ist aber im Familienbetrieb ohne Fremdarbeitskräfte utopisch.
  7. Leider passiert es aber, genauso wie auch in der freien Natur, dass nicht alle Ferkel überleben können. Die Überlebensrate ist im Stall jedoch sehr viel höher. Trotzdem ist es immer traurig, wenn vereinzelt Ferkel verenden, da sie zum Beispiel in der Eihülle gefangen sind.
  8. Problematisch wird es, wenn selbsternannte Tierschützer dies aber lieber filmen, statt zu helfen. Hier waren die kommerziellen Ziele wohl wichtiger, als das Tier zu retten. Dieses Phänomen ist beim Deutschen Tierschutzbüro ja mittlerweile schon bekannt. Außerdem sollten die Tierschützer sich fragen, ob sie durch ihr eindringen nicht erst Recht unnötigen Stress in den Stall gebracht haben.
  9. Wenn es den Aktivisten wirklich um Tierschutz ginge, hätte man nicht 5 Monate lang filmen müssen, sondern man hätte sofort einschreiten müssen. Anscheinend sind die kommerziellen Interessen beim Deutschen Tierschutzbüro aber größer. Dazu passt das Motto des Deutschen Tierschutzbüros doch perfekt: „Wir kämpfen für Tierrechte und gegen Massentierhaltung – Wir sind da, wenn Tiere uns brauchen!“ …. oder auch nicht.
  10. Leider war bei der anschließenden Diskussion kein Vertreter der Landwirtschaft dabei, sodass man von einer sehr einseitigen Berichterstattung sprechen kann.

Greenpeace und die multiresistenten Keime

Greenpeace findet Antibiotikarückstände und multiresistente Keime in der Gülle. Der Skandal ist aber bei Greenpeace und in den Medien zu finden.

Greenpeace hat in 19 Gülleproben aus Schweineställen nach Antibiotikarückständen und multiresistenten Keimen gesucht. In 13 der 19 Proben stellte Greenpeace ESBL-bildende Bakterien fest. Sechs der 13 Proben wiesen mehrfachresistente ESBL-Bakterien auf. Außerdem wurden in 15 Proben Rückstände von Antibiotika gefunden. In elf Proben lagen die Rückstände oberhalb der Bestimmungsgrenze, in vier Proben unterhalb der Bestimmungsgrenze. Im Ergebnis zeigte sich jedoch, dass „in den Proben mit Nachweisen […] meist vergleichsweise niedrige Konzentrationen [von Antibiotikarückständen] gefunden [wurden]“. Diese Info wird jedoch nur in der Studie erwähnt, aber nicht in der Pressemeldung.

Da in der Tierhaltung bakterielle Erkrankungen auftreten können, werden nach tierärztlicher Verordnung Antibiotika eingesetzt. Die Wirkstoffe werden im Körper abgebaut und ausgeschieden. Natürlich können dabei auch resistente Erreger ausgeschieden werden. Genauso ist es auch beim Menschen, denn auch in kommunalen Abwässern und Krankenhausabwässern sind Antibiotikarückstände und multiresistente Keime zu finden. Oft in viel höherer Konzentration. Das ist oft das Hauptargument, warum Landwirte Klärschlamm nicht auf ihren Ackerflächen ausbringen wollen.

Wo ist also der Skandal?

Leider hat Greenpeace die Ergebnisse der Untersuchung in der Pressemeldung nicht eingeordnet und nicht erwähnt, dass die Rückstände von Antibiotika in der Gülle vergleichsweise gering sind. Das hat vermutlich mit der gesteigerten Spendenbereitschaft zu tun, wenn Greenpeace auf komplexen Fragen zu Antibiotikaresistenzen die einfache Antwort Nutztierhaltung gibt. Wünschenswert wäre es, wenn Greenpeace auch endlich das „One-Health-Prinzip“ anerkennt und nicht ständig die Schuld für Antibiotikaresistenzen nur der Tierhaltung zuschiebt. Mit den bisherigen Methoden verspielt Greenpeace nämlich seine Glaubwürdigkeit. Skandalös wird es aber, wenn Greenpeace in der Pressemeldung versucht, einen Zusammenhang zwischen den 25.000 Todesfällen in Europa und den Antibiotikaresistenzen in der Nutztierhaltung herzustellen, dabei aber verschweigt, dass dies vor allem auf die Humanmedizin zurückzuführen ist. Problematisch ist dabei vor allem die Tatsache, dass in der Originalstudie ausdrücklich darauf hingewiesen wird. So enthält die Studie die Aussage, dass die Auswirkung der multiresistenten Keime auf die Humanmedizin derzeit schwer zu beurteilen sei und die Herkunft der Keime nach einer Infektion kaum nachweisbar sei.

Skandalös finden wir aber auch, dass viele Medien die Aussagen der Pressemeldung von Greenpeace vor allem im Hörfunk fast vollständig übernommen haben, ohne die Ergebnisse nach guter journalistischer Pflicht erst zu recherchieren und dann einzuordnen.

Stellungnahme zur Gerichtsverhandlung zum töten von Küken

Aktuell: Verhandlung zum Küken Töten

Am Freitag wird beim Oberverwaltungsgericht in Münster über das Töten von männlichen Eintagsküken verhandelt. Das Land Land NRW hat unter Führung von Minister Remmel gegen diese Praxis geklagt und ist in erster Instanz gescheitert.

Eine Entscheidung, die nach den Richtern darauf zurückzuführen ist, dass ein Verbot des Tötens männlicher Eintagsküken die im Grundgesetz verankerte Berufsfreiheit der Brütereibetreiber einschränkt. Außerdem wird diese Praxis seit Jahrzehnten in Deutschland durchgeführt und ohne eine entsprechende Gesetzesänderung ist ein Minister nicht befugt, dies per Erlass zu ändern. Veränderte moralische Werte dürften nicht zum Nachteil der Brütereien ausgelegt werden, solange das Gesetz nicht geändert wird.

Schon im März hat die Staatsanwaltschaft Münster gegen eine Brüterei Anklage erhoben, welche vom Landgericht aus juristischen Gründen abgewiesen wurde. Die Richter sehen den im Tierschutzgesetz geforderten vernünftigen Grund für die Tötung als gegeben an und sehen in der Anklage der Staatsanwaltschaft einen Verstoß gegen Artikel 103 Abs. 2 Grundgesetz. Danach darf niemand wegen einer Tat belangt werden, die zum Tatzeitpunkt noch nicht gesetzlich verboten war. Die Anforderungen an das Töten der männlichen Eintagsküken sind zudem in der Tierschutzschlachtverordnung festgelegt, damit sieht das Gericht eine gesetzliche Regelung als sichergestellt.

Doch warum müssen die Eintagsküken getötet werden?

Bei Hühnern müssen zunächst zwei unterschiedliche Arten betrachtet werden: Die Legerassen und die Mastrassen. Massenrassen wurden darauf gezüchtet, Fleisch anzusetzen und verbrauchen etwa 1,6kg Futter um 1kg Fleisch zu erzeugen. Legerassen hingegen sind auf hohe Eizahlen gezüchtet. Da aber nur die weiblichen Tiere Eier legen, müssen die Hähne anderweitig verbleiben. In der Mast würden diese etwa 4-6 kg Futter für 1 kg Fleisch verbrauchen und außerdem wesentlich mehr Zeit dafür benötigen. Es werden also mehr Ressourcen verbraucht. Auch wenn man diese Hähne mästet, setzen sie nie so viel Fleisch an, wie eine Mastrasse.

Nun ist es beim Geflügel so, dass Legeleistung und Mastleistung sich genetisch gegenseitig ausschließen, man kann also keine Rasse züchten die in beiden Kategorien zufriedenstellend abschneidet. Hier „überlagern“ sich die Gene, die für Fleischansatz und Eierlegen zuständig sind.

Bundesagrarminister Schmidt hat Forschungsgelder zur Erforschung von Alternativen bereitgestellt und ist optimistisch dass 2017 ein Durchbruch gelingt. Man arbeitet an Methoden, das Geschlecht des Kükens bereits im Ei zu bestimmen, sodass die Eier frühzeitig zerstört werden können. Wichtig ist, das dies vor dem 9. Tag geschieht, bis zu diesen Tag hat der Embryo nach derzeitigem Stand des Wissens noch kein Schmerzempfinden. Derzeit gibt es zwei vielversprechende Verfahren, die aber noch nicht praxisreif sind. Das Problem ist momentan noch, dass sich die Geschlechtsbestimmung nicht in die Praxis umsetzen lässt

Ein Verbot des Tötens von Eintagsküken vor einer praxistauglichen Alternative hätte wohl das Aus für die deutschen Brütereien als sofortige Konsequenz. Somit würde das Problem nicht gelöst, sondern lediglich in das europäische Ausland verlagert. Dort hat Deutschland keinen Einfluss mehr auf die Qualitäts- und Haltungsbedingungen. In den meisten EU Staaten gibt es keine so intensive Diskussion um den Tierschutzund auch das Interesse an Alternativen ist dementsprechend gering.

Lest dazu auch:

https://www.massentierhaltung-aufgedeckt.de/index.php/haltung-gesundheit 

 

 

 

Stellungnahme WDR "markt"

Am Mittwoch, den 04.05.16 sendete „markt“ im WDR den Bericht „Lebensgefahr durch wirkungslose Antibiotika“. Der Beitrag sollte das Thema multiresistente Keime und deren mögliche Ursachen offen legen. Dabei wurde zunächst ein Patient gezeigt, der nach einer Operation mit multiresistenten Bakterien zu kämpfen hatte. Kein Einzelfall, so teilte ein Arzt mit. Schätzungen zu Folge würden 20.000-30.000 Patienten pro Jahr den MRSA-Keimen erliegen. In seiner Klinik traten im letzten Jahr selber sogar 4-5 Todesfälle auf. Die Ursache im Bericht war schnell gefunden, denn letztlich hat das, „was Patienten und Ärzte hilflos macht, seinen Ursprung oft an einem unerwarteten Ort, dem Tierstall“ Es wird also der Eindruck vermittelt, dass die Tierhaltung die Hauptschuld an multiresistenten Keimen hätte, was sich jedoch mit der Aussage des Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) widerspricht. Hier beträgt der Befall mit MRSA beim Menschen, der sich auf das Nutztier zurückführen lässt, etwa 2 % und sei als moderat zu bewerten.

MRSA steht für „Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus“. Grundsätzlich ist Staphylococcus aureus ein auf Haut und Schleimhäuten weit verbreitetes Bakterium, das sowohl beim Mensch als auch beim Tier vorkommt. Etwa 30 % der Menschen tragen das Bakterium auf der Haut und sind besiedelt. Eine Besiedelung ist aber keine Infektion. Es gibt aber auch die methicillin-resistente Form von S. Aureus, die gegen Antibiotika mit einem Beta-Laktam-Ring resistent ist.

MRSA lässt sich grundsätzlich in 3 Gruppen nach Vorkommen und dem wichtigstem Ort der Übertragung einteilen:

  • haMRSA (hospital acquired MRSA), die vor allem im Krankenhaus übertragen wird
  • caMRSA (community acquired MRSA), die außerhalb von Krankenhäusern von Mensch zu Mensch übertragen wird
  • laMRSA (livestock associated MRSA), die bei Nutztieren verbreitet ist und vorrangig bei Menschen mit Tierkontakt gefunden wird

Zu beachten ist, dass es zwischen den Gruppen teilweise große Unterschiede gibt. Wörtlich sagt das BfR: „Die bei Nutztieren vorkommenden MRSA-Typen [...]tragen vergleichsweise selten die typischen […] krankmachenden Eigenschaften.“ Die MRSA-Typen unterscheiden sich auch im Hinblick auf Antibiotikaresistenzen stark. So werden bei laMRSA selten Resistenzen gegen Antibiotika festgestellt, die in der Humanmedizin im Falle einer klinischen Infektion mit MRSA eingesetzt würden.

Als nächstes wird im Bericht der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung dargelegt und, dass bis 2006 Tiere sogenannte „antibiotische Leistungsförderer“ erhielten. Entscheidend ist es, das Gleichgewicht zwischen „guten“ und pathogenen Bakterien im Darm zu gewährleisten (Eubiose), was heute u.a. durch organische Säuren, sowie Pro- und Prebiotika gefördert wird. Nicht korrekt ist der Zusammenhang zwischen multiresistenten Keimen und den sogenannten „antibiotischen Leistungsförderern“, da kein Zusammenhang zu Wirkstoffen der Humanmedizin besteht. Antibiotika werden nur eingesetzt, wenn Tiere erkrankt sind und dies vom Tierarzt als Therapie angeordnet wird, so verlangt es auch der Tierschutz! Der prophylaktische Einsatz von Antibiotika ist verboten.

Es wird berichtet, dass die multiresistenten Keime durch die Abluft der Tierställe auf beispielsweise Gemüse gelangen. Auch hier bezieht das Bundesinstitut für Risikobewertung Stellung, welches sich mit der Arbeit für den gesundheitlichen Verbraucherschutz einsetzt. Es weist in dem Zusammenhang auf einen starken Verdünnungseffekt in der Luft hin, sodass MRSA nur sehr vereinzelt außerhalb des Stalles nachweisbar ist. Wichtig ist außerdem zu wissen, dass laut BfR nur sehr wenige Fälle der Besiedelung oder Infektion mit MRSA über Lebensmittel bekannt sind, da MRSA sich in vielen Lebensmitteln nicht vermehren kann und die Keimgehalte oft sehr gering sind.

Auch die anschließende Diskussion bestätigt die Aussage des Berichts, so ist es auch hier wieder die Tierhaltung, die alleinig in die Verantwortung gezogen wird, obwohl die Humanmedizin auf dem Notizzettel vermerkt und offensichtlich auch diskutiert wurde. Das Thema ist wichtig und sollte nicht klein geredet werden, ABER die Sendung „markt“, die sich wie so breit angekündigt durch ein lösungsorientiertes Format auszeichnet, hätte im Bezug zu MRSA gut daran getan, die wirklichen Ursachen darzulegen und die Tierhaltung in Relation dazu zu sehen. Hier sind neben den Aussagen des BfR auch die Fakten des Forschungsverbund „MedVetStaph“ zu betrachten. Hätte „markt“ aber den Humanbereich angesprochen, hätte man ALS Konsequenz die für 98 % der MRSA-Fälle verantwortliche Ursache finde müssen und Hygiene, zahlreiche Verschreibungen von  Antibiotika im Humanbereich und Behandlung ohne vorherige Feststellung des Erregers eingehen müssen. Amerikanischen Studien zu folge, können allein hier bis zu 30% eingespart werden. Dann aber doch lieber die einfache Kernbotschaft: Die Massentierhaltung ist schuld an multiresistenten Keimen. Wie auch hier, kommt eine vollständige Darstellung in Berichten zur Landwirtschaft sehr häufig nicht vor, was man eigentlich von einem öffentlich-rechtlichen Sender hätte erwarten können. Die Schuld bei MRSA nur auf die Tierhaltung zu schieben kann keinen Erfolg bringen, wenn man die anderen 98 % nicht berücksichtigt. Ein Blick Richtung Niederlande, ein Land mit wesentlich höheren Tierzahlen pro Fläche, zeigt wie MRSA erfolgreich reduziert werden kann.

Auch das „One-Health“-Prinzip, ein ganzheitlicher, disziplinenübergreifender Ansatz, der die systematischen Zusammenhänge zwischen Mensch, Tier und Umwelt beschreibt, blieb unerwähnt. Hauptaussage des „One-Health“-Prinzip ist, dass die Gesundheit von Mensch und Tier untrennbar miteinander verbunden ist. Außerdem ist die Aussage, dass es den Tieren gut geht, nur weil sie zu 300 im Stall stehen, fachlich auch bei gutem Willen nicht nachvollziehbar.

Konstruktiv war letztendlich nur der Ausbau von Vorurteilen gegen die Tierhaltung. Bleibt zu hoffen, dass es in naher Zukunft einen Beitrag geben wird, der sich umfänglich mit dem Thema auseinandersetzt und nicht nur einen kleinen Teil des Problems anspricht.

Lohnt es sich wirklich Geld für die BILD auszugeben?

Die BILD Zeitung ist in einem Artikel der Frage nachgegangen, „Lohnt es sich wirklich mehr für BIO auszugeben?“. Nach Lesen des Artikels stellt sich allerdings eher die Frage „Lohnt es sich Geld für die BILD auszugeben?“

Für den Artikel wurden verschiedene Produkte in den Varianten „BIO“ und „Nicht BIO“ eingekauft und verglichen. An sich ein lobenswerter Vorgang, sich mit dem Wert unserer Lebensmittel auseinanderzusetzen. Das fand jedoch in besagtem Artikel nicht statt. Vielmehr reicht der Artikel in seiner Sachlichkeit nicht einmal an unteres  Grundschul-Niveau heran. Mal davon abgesehen, dass ähnliche Tests bereits durchgeführt wurden und als Recherchegrundlage verwendet werden konnten, sind die Aussagen im Artikel zum größten Teil in den Bereich der Märchen zu verweisen.

ZITAT: „Landwirte bestellen ihre Äcker meist einseitig: Sie säen und ernten nur eine bestimmte Pflanze. Der Boden laugt aus, Nährstoffe gehen verloren.“

Auch in dem konventionellen Anbau ist das wirtschaften mit Fruchtfolgen übliche Praxis. Dabei wird jedes Jahr eine andere Pflanze auf der Fläche angebaut. Nährstoffe gehen jedes Jahr mit der Ernte, die von den Menschen verbraucht wird verloren. Das wird durch Dünger wieder ausgeglichen. Durch eine Modernisierung der Bewirtschaftungsmethoden war es dabei möglich, die Fruchtbarkeit der Böden und damit die Erträge deutlich zu steigern. So lies der Weizenertrag vor 50 Jahren noch ungeahntes Potential offen und bescherte den Landwirten einen Ertrag von etwa 27 dt/ha. Übrigens: Rückstände von Pflanzenschutzmitteln überschreiten so gut wie nie die Grenzwerte, und wenn doch sind es meistens im Ausland produzierte Produkte.

ZITAT: „Bio-Bauern mästen ihre Tiere nicht, sondern füttern sie hauptsächlich mit biologisch angebautem Futter.“

Diese Aussage hat genau so viel mit einer objektiven Berichterstattung zu tun, wie die Autorinnen mit der Tierhaltung. Sowohl in der ökologischen, als auch in der konventionellen Tierhaltung bekommen die Tiere ihr Futter gleichermaßen vorgelegt, welches die Tiere dem Bedarf entsprechend mit Nährstoffen versorgt. Das Fressen von Futter und die Gewichtszunahme wird dabei als „Mast“ bezeichnet, die bei „BIO“ genau so stattfindet wie bei „Nicht BIO“.

ZITAT: „Herkömmlich produziertes Fleisch enthält mehr Flüssigkeit, heißt: Werfen Sie ein Bio-Schnitzel in die Pfanne, bleibt es so groß, wie es war. Ein normales Schnitzel hingegen schrumpft. Das liegt daran, dass Bio-Tiere mehr wiegen und der Anteil an Muskelfleisch und Fett höher ist, wenn sie geschlachtet werden.“

Die Inhaltsstoffe von BIO-Fleisch und normalem Fleisch unterscheiden sich kaum.

Die Genetik bestimmt den Geschmack! Ob ein Schwein biologisch oder konventionell gehalten wird, bestimmt noch nicht über Aussehen, Geschmack oder Struktur des Fleisches. Entscheidend für die Qualität ist die genetische Veranlagung und die fachgerechte Fütterung der Tiere, sowie ein ruhiger Umgang beim Transport. Das ist bei „BIO“ genau wie bei „Nicht BIO“. Zur Fleischqualität wurde dabei nicht aufgeführt, dass der Befall der Bioschweine mit Parasiten höher ist und ein Großteil der Lebern verworfen werden müssen. Zudem weisen Schweine aus Biohaltung  häufiger Abszesse auf als konventionelle.

ZITAT: „Fleisch aus Massentierhaltung kann zudem mit Antibiotika belastet sein“

Dieser Satz wird nicht wahrer, nur weil er öfter wiederholt wird.

Der Statusbericht 2003 über die qualitative Bewertung von Lebensmitteln aus alternativer und konventioneller Produktion, den 21 Institute im Auftrag des Bundesministeriums für Verbraucherschutz jetzt publiziert haben, fasst Gemeinsamkeiten und Unterschiede zusammen:  „Tierarzneimittel und Masthilfstoffe werden in konventionellen, vom Tier stammenden Lebensmitteln eher selten nachgewiesen; die zulässigen Höchstmengen werden dabei nicht überschritten.“ Bio-Fleisch unterscheidet sich dazu weder hinsichtlich ernährungsphysiologischer Qualität noch im Genusswert signifikant von konventionellem Schweinefleisch.

ZITAT „Damit sich die Euter der Kühe nicht entzünden, mischen herkömmliche Landwirte vorbeugend regelmäßig Antibiotika ins Futter, das zu einem geringen Teil in die Milch übergeht. Sind Bio-Kühe krank und schlagen homöopathische Mittel nicht an, wird zwar auch ihnen Antibiotika gegeben. Allerdings auf ein paar Tage beschränkt, nicht ein Leben lang. Und: In diesem Zeitraum dürfen Biobauern die Milch nicht verkaufen.“

Diese Aussage ist absoluter Quatsch. Genauso könnte man behaupten(Achtung: Satire!): Damit die Leser nicht merken, dass BILD keine Ahnung hat, wird regelmäßig Marihuana ins Papier gemischt.

Kein Landwirt mischt Antibiotika ins Futter und riskiert somit, dass er die Milch der gesamten Kuhherde nicht verkaufen darf! Es finden grundsätzlich nur Einzeltierbehandlungen statt, u.a. damit dieses Risiko nicht auftritt!

Zunächst gilt es klarzustellen, dass der prophylaktische Einsatz von Antibiotika über das Futter nicht gestattet ist, was durch umfangreiche Verordnungen zur Erfassung und Verabreichung abgesichert wird. Darüber hinaus gibt es in der Gesetzgebung festgelegt Grenzwerte, die für bestimmte Wirkstoffe eingehalten werden müssen. Es sollte außerdem darauf hingewiesen werden, dass über Audits und Screening-Programme von dem Milchviehbetrieb an, über die Molkerei bis hin zum Handel eine lückenlose Überwachung stattfindet. Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat in einem Band die Erfassung von Antibiotikarückständen in ausgewählten Lebensmitteln tierischer Herkunft veröffentlicht und unter anderen 200 Milchproben auf Antibiotikarückstände untersucht. Nur in vier der 200 untersuchten Milchproben (2 %) waren Rückstände von Antibiotika in geringen Konzentrationen nachweisbar. In keiner Probe war eine zulässige Rückstandshöchstmenge überschritten, alle Proben entsprachen den gesetzlichen Vorgaben.

ZITAT: „Dazu müsste ein Biolebensmittel mehr gesunde Inhaltsstoffe als ein normales Produkt enthalten – und das zusätzlich in so hoher Menge, dass es im Körper etwas Positives bewirkt.“

Stimmt, denn bis heute gibt es letztlich keinen Nachweis dafür, dass der ausschließliche Verzehr von ökologischen Lebensmitteln direkt die Gesundheit des Menschen fördert.

Sowohl die Hintergründe zu den Kosten der Produktion, als auch die Wertschätzung, die man Produkten entgegenbringen sollte, sind durchaus sinnvolle Aspekte. Die BILD hätte jedoch gut daran getan, den Bericht auf einem neutralen Level zu halten, denn wer konventionell Herstellungsmethoden abstößt, braucht diesen Test erst gar nicht anzufangen.

 

 

Quellen

Stellungnahme: Das Töten der männlichen Legehybriden – Ein notwendiges Übel?

Vergangene Woche hat die Staatsanwaltschaft Münster Anklage gegen eine Brüterei im nordrhein-westfälischen Senden erhoben. Der Vorwurf: Die systematische Tötung männlicher Eintagsküken verstößt gegen das Tierschtzgesetz.

Doch warum werden männliche Eintagsküken überhaupt getötet? Was gibt es für Alternativen? Diese und noch mehr Fragen beschäftigen nicht nur den Verbraucher und Tierrechtsorganisationen, sondern zunehmend auch die Politik. In diesem Bericht gehen wir auf die grundsätzliche Fragen zu dem Thema ein:

Weiterlesen: Stellungnahme: Das Töten der männlichen Legehybriden – Ein notwendiges Übel?

Stellungnahme „Zurück zur Natur“ Bericht der SZ

Reportage zu Lasten der Tiergesundheit?

Der Link zum Artikel: http://reportagen.sueddeutsche.de/zurueck-zur-natur 

- Fünf Schweine werden aus der "Massentierhaltung" gerettet und dürfen fortan in Freiheit leben - , hört sich erst mal nicht schlecht an, aber was die Süddeutsche Zeitung mit Ihrem "Experiment" fabriziert lässt jeden Schweinehalter den Atem stocken. Nicht nur, dass die verantwortlichen Redakteure ihre Kompetenz überschreiten, sie machen sich auch wohlmöglich noch strafbar. Dazu hier ein paar Auszüge:

  • SZ: "Wir bemerken, dass sich die Rücken unserer weißen Mastschweine tiefrot gefärbt haben. An den Ohren wirft die Haut von Sweetie und Saskia kleine Blasen:"Sonnenbrand der Schweine im Experiment (https://dh1rvgpokacch.cloudfront.net/atavist/50900/image/derivative/scale~800x0x0x0~q6a2211-1444989957-31.jpg)
  • Quelle: Süddeutsche Zeitung https://dh1rvgpokacch.cloudfront.net/atavist/50900/image/derivative/scale~800x0x0x0~q6a2211-1444989957-31.jpg

TMT dazu: §1 TierSchG: Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

  • SZ: "Ein Hochleistungsmasthybrid ist ja nicht für das Leben in der Natur gezüchtet worden. »In der Natur gibt es keine weißen Schweine. Weiße Schweine sind eine Erfindung der Menschen.«" Aussage Hobbyhalter Sambraus

TMT meint hierzu: Offensichtlich hat Sambraus das Problem bereits erkannt und nimmt es billigend in Kauf. Schweinerassen lassen sich nicht ohne Weiteres miteinander vergleichen. Artgerecht bedeutet nicht gleich tiergerecht.

  • SZ: "Die Schweine haben abgenommen. Die kleinen Schweine dagegen sehen klapprig aus, obwohl Volker Zahn sie ordentlich füttert." Sambraus

TMT dazu: "§ 2 TierSchG Art 1.: "Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, 1.muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,"

Wir möchten anzweifeln, dass es sich bei der verfütterten "Ration" um eine dem Tierbedarf angeglichene Ernährung handelt.

  • SZ: "»Ihr Haarkleid ist so lang und weiß, das könnte ein Zeichen für Parasiten sein« Sambraus wundert das nicht: »Auch das ist ein Nebeneffekt der Intensivhaltung« , sagt er. »Dort werden die Tiere so sauber wie möglich gehalten, weil Krankheiten und Seuchen bei der Enge ein großes Problem sind.« Die Ställe werden chemisch behandelt und desinfiziert, in manchen werden den Tieren auch missbräuchlich Antibiotika und andere Medikamente verabreicht, was zu gefährlichen Resistenzen führen kann."

TMT: Wir fragen uns ernsthaft, warum die Verantwortlichen mit dieser Kenntnis nicht frühzeitig reagiert haben und die Tiere langsam durch eine Eingliederung an die neue Umgebung herangeführt haben und stattdessen Qualen und Leiden billigend in Kauf genommen wurden.

§ 2 TierSchG Art 3.: "Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, muss [...] erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

Aufgrund des Experimentes zweifeln wir an, dass die verantwortlichen Personen über die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen und verurteilen dieses Experiment aus diesem Grund aufs Schärfste.

 

Stellungnahme: Schlachten hochtragender Rinder

In den letzten Tagen ist das Schlachten hochtragender Kühe in den Fokus der gesellschaftlichen Diskussion geraten. Auslöser hierfür war am Dienstag ein Beitrag auf Report-Mainz. Hierzu möchten auch wir Stellung beziehen:

Für uns gilt der Grundsatz, dass hochtragende Rinder nicht auf den Schlachthof gehören. Aber ab wann wird überhaupt von einem hochtragenden Rind gesprochen? Um diesen Sachverhalt nachvollziehen zu können, sollten zunächst die einzelnen Trächtigkeitsstadien eines Rindes betrachtet werden.

Weiterlesen: Stellungnahme: Schlachten hochtragender Rinder

Stellungnahme "KÖNNES KÄMPFT: Die Gülle-Flut- Gefahr für unser Trinkwasser?"

Am gestrigen Abend wurde vom Westdeutschen Rundfunk ein Beitrag in der Sendereihe „KÖNNES KÄMPFT“ zu dem Thema: „Die Gülle-Flut- Gefahr für unser Trinkwasser?“ ausgestrahlt.

Gleich zu Beginn des Berichtes eine schockierende Geschichte: Eine Frau beschwert sich darüber, dass der Landwirt drei Mal im Jahr auf der Wiese vor ihrem Haus Gülle ausbringt. Das ist doch augenscheinlich viel zu häufig, und ihr Brunnen sei auch belastet. Man könnte sich die Frage stellen, was sie wohl sagen würde, wenn die Wiese als Weide genutzt würde, also das Vieh direkt auf der Wiese steht und das Gras frisst. In diesem Fall würden die Tiere nicht drei Mal im Jahr ihre Exkremente auf der Fläche verteilen, sondern jeden Tag. Und das ein halbes Jahr lang. Auch wenn es anders aussieht, der Prozess ist der gleiche: Die Exkremente der Tiere sorgen als Dünger für das Wachstum des Grases auf der Wiese.

Weiterlesen: Stellungnahme "KÖNNES KÄMPFT: Die Gülle-Flut- Gefahr für unser Trinkwasser?"

Stellungnahme ÖKO-TEST "Grillfleisch"

Die Zeitschrift ÖKO-Test hat in der Ausgabe Juli 2015, passend zur Hochzeit der Grillsaison, einen Test zum Schweine-Grillfleisch durchgeführt. Das Ergebnis: In Deutschland werden die Schweine hygienisch, effizient und kostengünstig geschlachtet, das Fleisch ist sauber und zumeist ohne Mängel. So weit ein erwartetes, positives Ergebnis. Schade nur, dass sich die Autoren nicht darauf beschränken, die Qualität des Fleisches zu beurteilen, sondern sich zu Experten in Fragen der Schweinehaltung aufschwingen. Im Bericht wird ein negatives Bild der konventionellen Schweinehaltung im Vergleich zur Biohaltung gezeichnet. Doch ist das wahr, oder sieht die Realität nicht vielleicht anders aus?

Weiterlesen: Stellungnahme ÖKO-TEST "Grillfleisch"